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VAGE / Formulierungen auf Leinwand und Papier
Vor allem bin ich Malerin und Zeichnerin, mit einem großen Faible für kraftvolle, manchmal ungewöhnliche Formen. Die Auseinandersetzung mit Zeichen und Chiffren ist seit vielen Jahren mein zentrales künstlerisches Thema.
Zeichen entschlüsseln Ereignisse in der Umwelt, geben Hinweise und Erklärungen und stehen synonym für Bekanntes. Die in meinen Arbeiten entstehenden dunklen Formen vor hellem Hintergrund scheinen oft konkret Gegenständliches zu meinen, tun es aber nur selten. Alle diese Formen stehen allein für sich selbst, sie existieren eigenständig.
Gewollt ist immer ein Moment der Irritation, wenn ein solches bestimmt gesetztes Zeichen selbstbewusst an Gesehenes erinnert und Fragen nach einer vermeintlich bekannten Bedeutung aufwirft. Sonja Koczula
Für ihre Formen oder Zeichen, greift Sonja Koczula auf eine Art Zettelkastensystem zurück, das Zeitlosigkeit suggeriert, ein Repertoire gefundener Formen, das sie immer wieder anders zusammensetzen kann. Sonja Koczula nennt diesen Baukasten ihren „inneren“ und ihren „äußeren Fundus“. Der innere Fundus besteht aus Formen, die sich ihr eingeprägt haben: Eindrücke aus der Lebenswelt, kontrastreiche Momentaufnahmen, die sie wahrnimmt und verinnerlicht. Der äußere Fundus besteht aus Formen, die Sonja Koczula aus Zeitungs- oder sonstigen Printmedienbildern generiert. Auch hier sind es die Umrisse, Konturen und Schattenwürfe, die ausschlaggebend dafür sind, dass sie sich für ein Bild interessiert und anfängt es zügig mit Gouache und Tusche zu übermalen. Es gibt also ein Inventar an gefundenen Formen, aus dem sie immer wieder schöpft, eine Art Zettelkasten, mit dem die Künstlerin arbeitet.
Dr. Johanne Mohs, Berlin 2022
Die schwarzen Formen und Linien auf Sonja Koczulas Arbeiten bilden Umrisse, auch an Schatten erinnern sie manchmal. Durch ihr Zusammenspiel entsteht eine räumliche Tiefe. Es gibt Eingänge, Wege, Durchsichten – manche haben auch den Charakter von architektonischen Figur-Grund-Plänen. Zumindest von weitem betrachtet. Wer ganz nah an die Bilder herangeht, wird über die Oberflächenstruktur eine ganz andere Räumlichkeit wahrnehmen. Eine Räumlichkeit, die an Schichtungen erinnert und tatsächlich auch durch sehr viele Übermalungen entstanden ist. Unter der weißen liegen viele bunte Schichten, die, mal mehr, mal weniger, durchscheinen und die Oberfläche räumlich wirken lassen. (…) Nicht das weiße Blatt oder die leere Leinwand ermöglichen die größte Bewegungsfreiheit, sondern die weißen Flächenräume am Ende, die Leerstellen, zu der sich die Künstlerin erst hingearbeitet hat, schaffen den gewünschten Handlungsspielraum.
Dr. Johanne Mohs, 2022
Vita
Sonja Koczula, geboren 1976 in Osnabrück
1996 – 2004 Magisterstudium Kunst und Literaturwissenschaften – Malerei und Zeichnung bei Prof. Elke Hergert und Prof. Hartmut Girke, Lithographie bei Prof. Thomas Rohrmann – Universität Osnabrück, Magistra Artium
seit 2003 freischaffend tätig, zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland


